Übersetzungen 21- 36

 

Lektion 21: Der Anfang vom Ende

  1. Da kam der Priester Laokoon, ein überaus kluger Mann, aus der Stadt an den Strand gelaufen
  2. und rief bereits von weitem:
  3. "Oh ihr Elenden! Was für ein unglückliches Vorhaben! Wenn ihr glaubt, die Feinde seien abgezogen, irrt ihr euch.
  4. Glaubt ihr etwa, die Griechen hätten uns ein Geschenk zurückgelassen?
  5. Habt ihr etwa die Hoffnung, sie seien frei von List und Betrug?
  6. Es ist Wahnsinn, den Griechen zu vertrauen!
  7. Entweder sind Männer und Waffen in dem Pferd verborgen oder es droht eine andere Täuschung.
  8. Fürchtet die Griechen, auch wenn sie Geschenke machen! Stürzt das Pferd ins Meer!"
  9. Schon befürworteten die Menschen die Ansicht des Priesters,
  10. schon hatte Laokoon die Hoffnung, er habe die Mitbürger überzeugt,
  11. als plötzlich zwei große Schlangen schnell über das Meer an den Strand kamen.
  12. Sofort griffen sie Laokoon und seine zwei Söhne an, die neben ihm standen.
  13. Zuerst wickelten sie sich um die Körper der Söhne.
  14. Dann packten sie den Vater, der den Söhnen Hilfe leistete, und wickelten sich in riesigen Windungen um ihn herum.
  15. Laokoon, der über große Körperkraft verfügte, bemühte sich die Knoten aufzureißen,
  16. doch die Kräfte verließen ihn.
  17. Nachdem die Schlangen den Priester und seine Söhne getötet hatten, verschwanden sie im Tempel
  18. der Minerva.
  19. Wegen dieses Vorfalls waren die Menschen in großer Angst, unsicher standen sie am Strand.
  20. Schließ sagte Thymoetes, ein hoch angesehener Mann:
  21. "Hat euch dieses Ereignis denn nicht die Augen geöffnet?
  22. Das Pferd ist ein Geschenk für Minerva; die Griechen haben es für ihre glückliche Heimkehr gebaut.
  23. Ihr glaubt mir nicht, Mitbürger? Laokoons Tod ist der Beweis dafür.
  24. Er hatte nämlich Minervas Zorn erregt und deswegen hat die Göttin die Schlangen geschickt.
  25. Reißt also die Mauern ein und zieht das Pferd in die Stadt!"
193 lateinische Wörter

 

Lektion 22: Fauler Zauber

  1. Bald darauf kehrte Eurylochus allein zurück und sagte: "Ich schrecke davor zurück, die Dinge zu erzählen, die sich ereignet haben,
  2. aber ich werde richtig und wahr erzählen:
  3. Wir waren zu einem großartigen Palast gekommen.
  4. Plötzlich erschien eine schöne Frau, sie lud uns mit einschmeichelnden Worten in den Palast ein.
  5. Ich blieb an der Tür stehen, da ich eine Täuschung und einen Hinterhalt befürchtete.
  6. Die Frau reichte den Gefährten einen Trank, den sie bereitwillig zu sich nahmen.
  7. Sofort verwandelten sie sich in Schweine."
  8. Sobald Odysseus dies gehört hatte, ergriff er sein Schwert und eilte zu dem Palast.
  9. Ihm trat Merkur entgegen:
  10. "Diesen Ort wirst du nicht wohlbehalten verlassen,
  11. von dieser Insel wirst du deine Gefährten nicht unversehrt wegbringen, auß mit der Hilfe der Götter.
  12. Daher trage dieses Heilmittel bei dir! Durch die Kraft dieses Mittels wirst du Circes Zauberkünsten entrinnen."
  13. Als Odysseus zum Palast kam, rief er Circe nach draußen.
  14. Diese zeigte sich sofort, führte ihn hinein und reichte ihm einen Trank. Odysseus trank ihn, ohne zu zögern.
  15. Darauf sagte Circe: "Ab mit dir in den Schweinestall", und berührte ihn mit einem Stab.
  16. Verblüfft schaute sie Odysseus an. Dieser nahm nicht die Gestalt eines Schweines an,
  17. sondern zog mit einer heftigen Bewegung sein Schwert und tat so, als ob er sie töten wolle.
  18. Circe warf sich ihm zu Füßen und flehte auf folgende Weise:
  19. "Zügele deinen Zorn, lass mich leben!
  20. Merkur hatte mir vorhergesagt, dass ich alle Sterblichen verwandeln könne außer Odysseus.
  21. Wenn du Odysseus bist, sei mir ein Freund!"
  22. Darauf entgegnete Odysseus, obwohl er schon in Liebe entbrannt war, hart:
  23. "Wie kann ich Vertrauen zu dir haben? Bevor ich dir ein Freund bin, schwöre beim Styx:
  24. `Ich werde aufhören dir Schaden zuzufügen und deinen Gefährten die menschliche Gestalt zurückgeben.`"
200 lateinische Wörter

 

Lektion 23: Die Flucht des Äneas

  1. Merkur wurde von Jupiter beauftragt Äneas an den Willen der Götter zu erinnern;
  2. bald darauf wendete er sich auf folgende Weise an den Führer der Troianer:
  3. "Denke an die neue Heimat, die dir in Italien bestimmt ist,
  4. denke an das neue Volk, dessen schicksalhafte Bestimmung es ist, Italien und den gesamten Erdkreis zu beherrschen.
  5. Versammele deine Gefährten am Strand, mache die Flotte seeklar, segele los!"
  6. Weil Äneas Dido nicht verlassen wollte, wurde er im Herzen völlig verwirrt;
  7. er ahnte ihren Schmerz und ihre rasende Wut.
  8. Da packte ihn der Wunsch zu fliehen.
  9. Sogleich versammelte er seine Gefährten am Strand und befahl ihnen die Flotte seeklar zu machen;
  10. er beschloss Dido später von seinem Aufbruch in Kenntnis zu setzen.
  11. Aber die Königin erahnte die heimliche Absicht und sprach Äneas mit harten Worten an: "Du fliehst vor mir, grausamer Mensch?
  12. Hast du etwa gehofft, dass du eine so schändliche Tat verheimlichen und stillschweigend mein Land verlassen kannst?
  13. Hält dich denn nicht unsere Liebe, nicht das Wort, das du gegeben hast,nicht Dido, die dem Tod geweiht ist?
  14. Sieh diese Tränen und erbarme dich, ändere, ich bitte dich, deine Meinung!"
  15. Aneas wurde zwar von Didos Schmerz heftig berührt,
  16. dennoch schwieg er lange und vermied es, sie anzusehen.
  17. Schlie&zlig; sagte er: "Halte deine Tränen zurück, zügele deinen Zorn!
  18. Du irrst dich, wenn du glaubst, dass du von mir getäuscht worden bist.
  19. Niemals habe ich dir die Heirat versprochen, nichts habe ich verheimlichen wollen.
  20. Höre auf mich und dich mit deinen Klagen aufzuwühlen.
  21. Nicht aus eigenem Antrieb verlasse ich dich; von den Göttern bin ich gezwungen worden wegzugehen.
  22. Was die Götter mir aufgetragen haben, muss ich tun."
lateinische Wörter

 

Lektion 24: Eine Stadt wird gegründet.

  1. Romulus und Remus hatten den Wunsch in der Gegend, in der sie ausgesetzt worden waren, eine Stadt zu gründen.
  2. Sie beschlossen, an dem Ort, an dem sie von einer Wölfin gefunden und gesäugt worden waren, eine Mauer zu errichten.
  3. Schon waren sie mit größtem Eifer bei der Arbeit, als Remus fragte:
  4. "Wer von uns beiden wird der neuen Stadt den Namen geben? Wer wird diese Stadt regieren?"
  5. Schon bald stritten sich die Brüder heftig, weil sie sich über diese Dinge nicht einig waren;
  6. denn jeder der beiden war von dem Wunsch zu herrschen gepackt.
  7. Schließlich sagte einer der Brüder:
  8. "Da es zwischen uns keine Einigung gibt, brauchen wir die Hilfe der Götter."
  9. Deshalb führten beide ein Augurium durch - Romulus auf dem Palatin, Remus auf dem Aventin.
  10. Als Erstem erschienen Remus sechs Geier.
  11. Sofort rief er: "Ich bin der König!"
  12. Doch kurz darauf zeigte sich Romulus die doppelte Anzahl von Geiern.
  13. Dieser zögerte nicht die Herrschaft für sich zu beanspruchen und sagte:
  14. "Ich erkenne deine Deutung des Vorzeichens nicht an, Bruder.
  15. Die Anzahl der Vögel gibt die Entscheidung, nicht der Zeitpunkt.
  16. Aus diesem Grund werde ich der Stadt ihren Namen geben,
  17. werde ich die Stadt regieren, sobald die Mauer errichtet ist.
  18. Darauf wurde Remus wütend und verspottete seinen Bruder.
  19. "Wie willst du", sagte er, "die Stadt vor Gefahren schützen,
  20. wenn sie von so kleinen Mauern umgeben ist?",
  21. und sprang über die neuen Mauern.
  22. Voll Zorn über diese Frechheit tötete ihn der Bruder.
  23. So erlangte Romulus allein die Herrschaft,
  24. so wurde die neue Stadt nach Romulus' Namen Rom genannt.
185 lateinische Wörter

 

Lektion 25: Wer zuletzt lacht ...

  1. König Tarquinius herrschte hochmütig und grausam; deshalb hatte man ihn den Hochmütigen genannt.
  2. Das einfache Volk liebte ihn nicht, weil es zu umfangreichen Arbeiten gezwungen wurde.
  3. Auch viele Patrizier waren ihm feindlich gesinnt, da sie von öffentlichen Aufgaben fern gehalten wurden.
  4. Aus Furcht vor einem Anschlag beseitigte Tarquinius die angesehensten Bürger.
  5. Selbst seine Neffen fürchtete er: Den einen tötete er, das Leben des anderen verschonte er,
  6. da er glaubte, dass von ihm keine Gefahr drohe.
  7. Dieser hatte vorgetäuscht dumm zu sein und die unrechten Taten des Königs gleichmütig ertragen.
  8. Selbst den Beinamen "der Schwachsinnige" hatte er nicht zurückgewiesen.
  9. Deshalb lebte er ein sicheres Leben, weil Tarquinius ihn nicht durchschaut hatte.
  10. Aber eines Tages sprach der König, da er über ein schreckliches Zeichen der Götter beunruhigt war, Brutus folgendermaßen an:
  11. "Ich habe beschlossen zwei meiner Söhne nach Delphi zu schicken; sie sollen das Orakel über mein Schicksal befragen.
  12. Du, Brutus, wirst ihr Begleiter sein."
  13. Brutus sagte nichts, obwohl ihn große Freude erfüllte.
  14. Bald darauf eilten die Söhne des Königs mit Brutus nach Delphi.
  15. Nachdem sie dorthin gekommen waren, führten sie die Aufträge des Vaters aus.
  16. Darauf regte sich in den Brüdern der Wunsch das Orakel über ihr eigenes Schicksal zu befragen.
  17. In Anwesenheit von Brutus sagte einer von ihnen:
  18. "Wer von uns beiden wird irgendwann einmal die Macht in Rom haben?"
  19. Kaum hatte er geendet, als er folgende Antwort erhielt:
  20. "Derjenige, ihr jungen Männer, wird die Macht in Rom haben,
  21. der als erster von euch der Mutter einen Kuss gibt."
  22. Sogleich beschlossen die Brüder, da sie von großer Hoffnung getrieben wurden, so schnell wie möglich nach Rom zurückzukehren.
  23. Plötzlich fiel Brutus zu Boden und berührte diesen mit dem Mund.
  24. Die Söhne des Königs verspotteten Brutus deswegen, aber dieser lächelte nur freundlich.
  25. Kurz darauf vertrieb er die Tarquinier und die Macht kam an ihn.
199 lateinische Wörter

 

Lektion 26: Die kapitolinischen Gänse

  1. Damals waren die Burg von Rom und das Kapitol in riesiger Gefahr.
  2. Denn die Gallier wollten, da sie schon die Stadt eingenommen hatten, auch noch den kapitolinischen Berg
  3. erobern.
  4. Aber die römischen Bürger hielten sich wegen der Beschaffenheit des Geländes für sicher.
  5. Oft waren folgende Worte zu hören:
  6. "Warum werden so viele Nachtwachen aufgestellt? Warum wird die Burg so sorgfältig bewacht?
  7. Der Zugang zur Burg ist schmal; die Feinde werden von einigen wenigen mit Leichtigkeit ferngehalten werden.
  8. Die Burg kann nicht erstürmt werden, da sie durch ihre natürliche Lage geschützt ist.
  9. Warum werden wir gezwungen Nachtwachen zu schieben? Warum raubt man uns den Schlaf?"
  10. Aber eines Nachts rückten die Gallier in aller Stille gegen den Berg vor.
  11. Endlich hatten sie einen Felsen, der für den Aufstieg geeignet war, entdeckt.
  12. Einer von ihnen gab den Weg vor, die übrigen stiegen hinter ihm auf:
  13. Sie schoben und zogen sich gegenseitig hoch, wie es das Gelände erforderte.
  14. So gelangten sie nach ganz oben.
  15. Schon meinten sie, sie hätten die Nachtwachen, ja sogar die Hunde überlistet,
  16. als plötzlich die heiligen Gänse der Juno losschnatterten.
  17. Die waren nämlich trotz des größten Nahrungsmangels nicht geschlachtet worden.
  18. M. Manlius, ein tapferer und energischer Mann, wurde durch das Geschnatter der Gänse geweckt, riss die Waffen an sich
  19. und stürzte mit folgenden Worten auf den Feind los:
  20. "Greift zu den Waffen, Männer! Wir werden von den Galliern angegriffen!
  21. Verteidigt Frauen und Kinder! Verteidigt die Heimat!
  22. Warum zögert ihr? Lasst ihr euch etwa von den Galliern einschüchtern?
  23. Die Burg wird eingenommen werden, ihr werdet getötet, versklavt werden, wenn ihr euch nicht beeilt.
  24. Ich lasse mich durch den möglichen Tod nicht schrecken!"
  25. Dann stieß er den ersten Gallier, der schon ganz oben angekommen war und sich aufgerichtet hatte, von der Burg hinunter.
  26. Durch dessen Sturz wurde das gesamte Heer der Gallier in die Tiefe gerissen.
190 lateinische Wörter

 

Lektion 27: Hölzerne Mauern

  1. Sofort führte Xerxes, jener große König der Perser, seine Heere nach Athen.
  2. Dort stand Themistokles an der Spitze des Heeres und der Flotte.
  3. Er überzeugte die Bürger davon, dass man Xerxes` Angriff nicht standhalten könne.
  4. Deshalb verließen die Athener die Stadt und zogen sich nach Salamis zurück,
  5. wo die gemeinsame Flotte der Griechen stationiert worden war.
  6. Nachdem Xerxes nach Athen gelangt war, zerstörte er nicht nur die Stadt durch Feuer,
  7. sondern auch jene berühmte Burg, die der Minerva geweiht war.
  8. Als die Flottenbesatzungen die Flammen sahen, wollten sie in panischer Angst in ihre Heimatstädte zurückkehren.
  9. Sie hofften nämlich sich mithilfe der Stadtmauern verteidigen zu können.
  10. Themistokles widersetzte sich als Einziger:
  11. "Bleibt!", sagte er, "verstreut werden wir alle zugrunde gehen.
  12. Wir werden dem Feind nur vereint ebenbürtig sein können.
  13. Denkt an jenen Orakelspruch, den die Pythia verkündet hat:
  14. 'Schützt euch mit hölzernen Mauern!'
  15. Erkennt ihr denn nicht, dass das Schiff als hölzerne Mauer bezeichnet wird?
  16. Setzt also eure Hoffnung auf Rettung nicht auf eure Stadtmauern, sondern auf unsere Schiffe!
  17. Wir werden nur siegen, wenn wir auf dem engen Meer, einem für uns günstigen Ort, gegen die Perser
  18. kämpfen."
  19. Doch er überzeugte die übrigen Führer nicht.
  20. Deshalb schickte er um Mitternacht einen überaus treuen Sklaven zu Xerxes und befahl ihm jenem Folgendes zu melden:
  21. "Deine Gegner haben vor zu fliehen.
  22. Wenn sie erst auseinander gegangen sind, wirst du gezwungen sein, sie einzeln mit deinen Heeren zu besiegen.
  23. Wenn du aber in kurzer Zeit siegen willst, beginne den Kampf sofort, solange sie noch alle zusammen sind."
  24. Und tatsächlich begannen die Perser am nächsten Tag an einem für sie ungünstigen Ort den Kampf gegen die Griechen.
  25. Diese errangen im Schütze der hölzernen Mauern einen großartigen Sieg,
  26. jene erlitten, weil sie die große Anzahl von Schiffen nicht wirksam hatten einsetzen können, eine schwere
  27. Niederlage.
  28. So wurde durch die Klugheit eines Mannes ganz Griechenland befreit.
198 lateinische Wörter

 

Lektion 28: Der Schwur

  1. Im schummrigen Licht waren die Säulen des Baaltempels kaum zu erkennen; auf dem Altar flackerte eine Flamme, die ein spärliches Licht gab; manchmal leuchtete das Bild des Gottes in seinem Gold auf. Plötzlich erschien Hamilkar Barkas, ein Mann von ungeheurer Körpergröße, an der Hand hielt er seinen Sohn, einen neunjährigen Jungen. Jener befahl diesem stehen zu bleiben, ging allein zu dem Altar und fragte dabei: "Fürchtest du dich, Hannibal?" - "Weswegen, Vater?" - "Wir sind im Tempel des Baal!" - "Das weiß ich." - "Aus welchem Grund habe ich dich hierher geführt, mein Sohn?" - "Ich weiß nicht; sicher wirst du ihn mir nennen." Doch Hamilkar sagte seinem Sohn, der sorgfältig zuhörte, Folgendes: "Welches Volk raubt alles, da es vor Habgier brennt? Welches Volkes Senat hat unseren Vätern Sizilien und Sardinien entrissen? Welches Volk will die übrigen beherrschen?" - "Es sind die Römer, Vater." "Du hast Recht. Es sind die Römer, die die Herrschaft über alle Länder anstreben! Wir müssen sie von Afrika fern halten. Deshalb werde ich unsere Heere, sobald sie nach Spanien übergesetzt worden sind, gegen sie führen; in ihrem eigenen Gebiet werde ich sie bekämpfen." Dann begann Hamilkar dem Baal zu opfern. Plötzlich fragte er, wobei er seinen Sohn mit brennenden Augen anschaute: "Willst du mit mir im Lager sein?" Sofort rief Hannibal unter Missachtung der Würde des Ortes aus: "Nimm mich mit nach Spanien, Vater, mach mich zu deinem Soldaten!" Darauf entgegnete Hamilkar: "Ich werde es tun, wenn du mir das Versprechen, das ich fordere, gibst", und führte Hannibal zum Altar, wobei er sagte: "Berühre den heiligen Altar!" Schließlich befahl er dem Sohn, der den Altar berührte, auf folgende Weise zu schwören:  Niemals werde ich in freundschaftlicher Beziehung zu den Römern stehen." Als Hannibal die Worte des Vaters, der vor Hass glühte, hörte, antwortete er: "Ich schwöre."
198 lateinische Wörter

 

Lektion 29: Die Macht einer Mutter

  1. Da kamen die verheirateten Frauen bei Veturia, Coriolans Mutter,
  2. und bei Volumnia, seiner Frau, in großer Zahl zusammen.
  3. Eine von ihnen sagte:
  4. "Da die Männer die Stadt mit Waffen nicht verteidigen können,
  5. werden wir zu Coriolan gehen, um ihn von der Stadt fern zu halten.
  6. Wir bitten euch flehentlich, uns eure Hilfe nicht zu verweigern.
  7. Alle Hoffnung ruht auf euch.
  8. Ihr allein werdet einerseits den Sohn, andererseits den Mann dazu bewegen, keine Waffen einzusetzen.
  9. Schließt euch uns an!
  10. Kommt mit uns, damit wir den nach Rache dürstenden Coriolan von der Vernichtung der Stadt abbringen!"
  11. Weder Veturia noch Volumnia lehnten ab.
  12. Kurz darauf kam ein riesiger Zug Frauen zum Lager des Coriolan.
  13. Doch dieser ließ sich weder durch ihre Bitten noch durch ihre Tränen von seinem Vorhaben abbringen.
  14. Plötzlich sagte einer seiner Vertrauten: "Wenn ich mich nicht täusche, sind deine Mutter, deine Frau und deine Kinder anwesend."
  15. Entsetzt sprang Coriolan von seinem Sitz auf und wollte seine Mutter umarmen.
  16. Aber diese sagte in heftigem Zorn. "Bevor ich deine Umarmung annehme, lass mich wissen,
  17. ob ich vor einem Feind oder vor meinem Sohn stehe,
  18. ob ich in deinem Lager eine Gefangene oder deine Mutter bin.
  19. Warum hast du mich in meinem Alter unglücklich gemacht?
  20. Warum bist du so hartherzig, dass du dieses Land, das dich hervorgebracht und großgezogen hat, verwüstest?
  21. Kommt dir nicht, wenn du Rom vor Augen hast, in den Sinn
  22. 'Hinter jenen Mauern befinden sich mein Haus und die Schutzgötter der Familie, meine Mutter, meine Frau und meine Kinder'?
  23. Wenn du so weitermachst, erwartet deine Söhne entweder ein vorzeitiger Tod oder ein langes Sklavendasein."
  24. Endlich stimmten die Worte der Mutter, die Umarmungen von Frau und Kindern, das Schluchzen der Frauen Coriolan um.
198 lateinische Wörter

 

Lektion 30: Wie lange noch, Catilina?

  1. In welcher Stadt leben wir, ihr Senatoren? Was für einen Staat haben wir?
  2. In Etrurien ist gegen das römische Volk ein Militärlager aufgeschlagen worden,
  3. dessen Oberbefehlshaber - was für eine Frechheit! - vor kurzem in diese Senatsversammlung gekommen ist.
  4. Ihr fragt, wer es ist, was für ein Verbrechen er plant?
  5. Der da ist der führende Mann der Verschwörung,
  6. täglich denkt er über unseren Untergang, über die Vernichtung dieser Stadt nach.
  7. Merkst du denn nicht, Catilina, dass deine Pläne offen liegen?
  8. Glaubst du etwa, ich weiß nicht,
  9. was du letzte Nacht getan hast, wo du gewesen bist, welche Männer du zusammengerufen hast, welche Pläne gefasst worden sind?
  10. Du fragst, aufweiche Art und Weise ich dies alles erfahren habe.
  11. Ich höre und sehe und spüre, was von dir und deinen Leuten gedacht, was getan wird,
  12. da nichts meiner Aufmerksamkeit entgeht.
  13. Und ich weiß ganz genau, warum ihr in tiefer Nacht im Hause des M. Laeca zusammengekommen seid:
  14. Du hast deinen Leuten befohlen die Stadt durch Feuer zu zerstören,
  15. du hast deinen Leuten befohlen mich in meinem Bett kurz vor dem ersten Licht zu töten.
  16. Wagst du etwa zu leugnen?
  17. Ich werde alles tun, dass du zum Staatsfeind erklärt wirst, und ich werde nicht zuvor ruhen.
  18. Schon jetzt habe ich einen schwerwiegenden Senatsbeschluss gegen dich.
  19. Doch obwohl erlaubt wird, dass du hingerichtet wirst,
  20. werde ich dennoch nicht befehlen dich zu töten.
  21. Nur das fordere ich von dir: Geh fort, verschwinde, verlasse die Stadt!
  22. In Rom wird dich nichts mehr erfreuen,
  23. weil du von meiner stattlichen Schutztruppe auf Schritt und Tritt beschattet wirst.
  24. Die Augen und Ohren Vieler werden dich immer und überall überwachen.
  25. Alle haben dich von allen Seiten umzingelt.
  26. Wie lange willst du eigentlich noch mit deiner Anwesenheit unseren Zorn entfachen?
186 lateinische Wörter

 

Lektion 31: Überraschung

  1. Cäsar erwartete die Ankunft Kleopatras, von der er so wundersame Dinge gehört hatte.
  2. Er hatte zwar den Wachen befohlen, ihre Ankunft sofort zu melden,
  3. aber er zweifelte, ob die Königin überhaupt in den Palast gelangen könne.
  4. Er wusste nämlich, mit welchem Eifer Ptolemäus' Freunde die Zugänge zum Palast verschlossen hatten.
  5. Es war aber unklar, was sie unternommen hatten,
  6. um Kleopatra daran zu hindern, den Palast heimlich zu betreten.
  7. Während er dies überlegte, trat ein Vertrauter heran und sagte: "Höre, Cäsar!
  8. Nicht weit vom Palast entfernt ist ein Mann aufgegriffen worden, als er aus einem kleinen Boot stieg.
  9. Er trug eine große Last, die in eine Decke eingewickelt war.
  10. Er behauptet, er bringe ein Geschenk Kleopatras. Was...?"
  11. Sofort sagte Cäsar: "Führe ihn herein!"
  12. Kurz darauf wurde ein Mann hereingeführt, der eine nicht zu erkennende längliche Sache auf der Schulter trug.
  13. Ohne zu zögern, legte er die Last vor Cäsar ab.
  14. Dann sagte er: "Nimm, Cäsar, das Geschenk in Empfang, das Kleopatra dir schickt!"
  15. Sogleich befahl Cäsar es auszuwickeln.
  16. Wie sehr staunte er, als er plötzlich eine Frau sah, die aus der Decke stieg!
  17. Sie sah ihn mit glühenden Augen an und sagte mit klarer Stimme:
  18. "Sei gegrüß, Cäsar! Ich bin Kleopatra, die Königin von ägypten."
  19. Da die Frau von herausragender Schönheit war und wegen ihrer Perlen und ihres Goldes funkelte,
  20. überkam Cäsar eine so große Bewunderung, dass er lange schwieg.
  21. Allen Umstehenden war klar, wie sehr der Kaiser bis ins Innerste aufgewühlt worden war.
  22. Schließlich brach Kleopatra mit schmeichlerischer Stimme das Schweigen:
  23. "Ich bin gekommen, wie du es befohlen hast; ich werde tun, was du von mir verlangst.
  24. Aber zuvor sage mir: Was wirst du mit ägypten machen?"
  25. Darauf sagte Cäsar, weil sein Verlangen nach der Frau entflammt worden war: "Ich werde tun, was du willst, Kleopatra."
  26. Diese aber antwortete: "Sorge dafür, dass ich ägypten allein regiere."
199 lateinische Wörter

 

Lektion 32: Gift im Becher?

  1. Unter den berühmten Ärzten, die Alexander mit sich führte, war Philippus.
  2. Dieser liebte den König sehr und diente ihm treu.
  3. Als Einziger unter den ärzten stellte er ihm mit etwa folgenden Worten Hoffnung in Aussicht:
  4. "Du, König, hast schnell wirkende Heilmittel gefordert.
  5. Wie glücklich wäre ich, wenn ich deine Krankheit schnell lindern könnte!
  6. Das werde ich nur mit einem starken Mittel tun können. Ich werde also einen Heiltrank aus Kräutern brauen.
  7. Dieser muss allerdings drei Tage köcheln, anders wird er keine Gesundheit bringen,
  8. ja er würde dir sogar schaden, wenn er überstürzt angewendet würde."
  9. Alexander wartete auf den festgelegten Tag, auch wenn er mit einer solchen Verzögerung nicht zufrieden war.
  10. In der Zwischenzeit erhielt er einen Brief von Parmenion, dem treuesten unter den Hofbeamten.
  11. Während er diesen las, erschrak er heftig: "Nimm dich vor Philippus in Acht, König! Er plant ein Attentat auf dich.
  12. Dareios hat ihn mit tausend Talenten bestochen;
  13. außerdem hat er ihm die Hochzeit mit seiner Schwester in Aussicht gestellt."
  14. Unwissend, was er tun solle, überlegte Alexander Folgendes:
  15. "Einen derartigen Brief hätte ich, wenn er nicht von Parmenion geschrieben worden wäre, nicht beachtet.
  16. Nun aber bin ich unsicher, ob ich der Furcht oder der Hoffnung folgen soll. Doch ich werde mich durch die Furcht nicht beeinflussen lassen.
  17. Denn wenn die Götter wollten, dass ich im Zelt und nicht in der Schlacht umkomme,
  18. dann hätten sie nicht so viele günstige Gelegenheiten verstreichen lassen."
  19. Am festgesetzten Tag kam Philippus mit dem Becher, in dem er das Heilmittel zurechtgemacht hatte, herein.
  20. Alexander nahm den Becher, wobei er Parmenions Brief in der linken Hand hielt,
  21. und trank unerschrocken.
  22. Dann befahl er Philippus den Brief zu lesen und schaute ihm, während er las, wendete den Blick nicht vom Gesicht des Lesenden ab -
  23. in dem Glauben, er könne irgendwelche Anzeichen von schlechtem Gewissen in seinem Gesicht entdecken.
190 lateinische Wörter

 

Lektion 33: Ein Schock für den Kaiser

  1. Augustus ruhte nach dem Essen auf einer Liege, als plötzlich der Wächter des Ruheraums eintrat.
  2. "Verzeih mir, falls ich deine Ruhe gestört habe.
  3. Der Tribun Aemilius Patavinus fordert den Zutritt zu dir und sagt, dass die Angelegenheit keinen Aufschub dulde."
  4. Augustus schwieg lange. Schließlich sagte er: "Was bringt er?
  5. Welche Angelegenheit ist so wichtig, dass sie nicht auf den morgigen Tag verschoben werden kann?"
  6. Sofort entgegnete der Wächter: "Ich weiß nicht. Jener versichert jedenfalls, er bringe aus Germanien eine schlechte Nachricht."
  7. Da erhob sich Augustus und sagte: "Führe ihn herein!"
  8. Kaum war der Tribun eingetreten, als Augustus fragte:
  9. "Aus welchem Teil Germaniens kommst du? Welche Schreckensnachrichten überbringst du?"
  10. Sofort antwortete der Tribun: "Ich komme aus der Stadt der Ubier.
  11. Doch mein Mund sträubt sich zu berichten, was in Germanien..."
  12. "Was ist mit Germanien? Habe ich dieses Land nicht befriedet?
  13. Haben nicht die Völker der Germanen durch Gesandte um den Frieden und die Freundschaft mit dem römischen Volk
  14. gebeten?"
  15. "Man darf jenen Barbaren kein Vertrauen schenken.
  16. Quintilius Varus jedenfalls hat ihnen zu sehr vertraut."
  17. "Was ist passiert? Berichte!"
  18. "Die Germanen haben Varus gebeten, einige strittige Rechtsfälle zu entscheiden.
  19. Da sie die römische Gerechtigkeit mit schmeichlerischen Worten überschwänglich lobten,
  20. marschierte Varus ohne irgendeinen Argwohn mit dem Heer mitten nach Germanien.
  21. Uns ist die Nachricht überbracht worden,
  22. dass er in einen Hinterhalt der Germanen geraten und mit seinen drei Legionen getötet worden ist."
  23. Da streckte Augustus die Hände zum Himmel und sagte:
  24. "Oh Jupiter, mach, dass ich diesen Verlust ertrage!"
  25. Man berichtet, dass er so heftig erschüttert war, dass er noch viele Monate unrasiert und mit langem Haar durchs Haus irrte
  26. und manchmal den Kopf an die Tür stieß, wobei er rief:
  27. "Quintilius Varus, gib mir meine Legionen wieder!"
198 lateinische Wörter

 

Lektion 34: Rückkehr eines Stars

  1. Alkibiades übertraf die übrigen sowohl durch seine negativen als auch durch seine positiven Eigenschaften.
  2. Auch wenn er allzu frei lebte und sich manchmal hochmütig benahm,
  3. war er ein glänzender Mann und überragend, was seine Begabung und Kriegserfahrung anbetraf.
  4. Als der Krieg schon lange dauerte, wurde er von den Athenern zum Feldherrn gemacht.
  5. Aber während er die Truppen gegen die Spartaner führte,
  6. wurde er in Athen von politischen Gegnern eines Verbrechens gegen die Religion angeklagt und zum Tode verurteilt.
  7. Nachdem er davon erfahren hatte, flüchtete er sich zu den Feinden und bot diesen seine Dienste an.
  8. Diese nahmen ihn bereitwillig in ihrer Stadt auf.
  9. Weil er viele Dinge gut ausgeführt hatte, wurden ihm so große Ehren erwiesen,
  10. dass er von nicht wenigen beneidet und gehasst wurde.
  11. Deshalb und aus Furcht vor einem Anschlag verließ er die Spartaner
  12. und begab sich zu der Flotte der Athener.
  13. Dort wurde er mit großer Freude aufgenommen und zum Befehlshaber gemacht.
  14. Sogleich kam er den Athenern zu Hilfe und besiegte die Spartaner in einer Seeschlacht.
  15. Nachdem er diesen Sieg errungen hatte, war es ihm gestattet, nach Athen zurückzukehren.
  16. Nach der Meldung seiner Ankunft eilte die gesamte Stadt zum Hafen Piräus
  17. und, obwohl viele Schiffe gelandet waren, versammelte sich nur am Schiff des Alkibiades,
  18. um ihn zu sehen und zu rühmen.
  19. Dieser stand auf dem Vorderdeck und hörte die Menge, wie sie immer wieder rief:
  20. "Es lebe Alkibiades!"
  21. Sehr bewegt verließ er das Schiff und tauchte in die Menge ein.
  22. Als er wie ein Olympiasieger auch noch mit ölzweigen beschenkt wurde, konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten.
  23. Alle führten ihn mit größter Begeisterung in die Stadt, von allen wurde er bewundert.
  24. Als er diese Auszeichnungen erhielt, dachte er bei sich:
  25. "Mit welchem Wahnsinn haben die Bürger mich vor kurzem noch verurteilt,
  26. mit welcher Begeisterung nehmen sie mich jetzt wieder auf!
  27. Wie wankelmütig ist das Volk, wie unbeständig!"
200 lateinische Wörter

 

Lektion 35: Rom brennt.

  1. Kaiser Nero ging mit einigen Begleitern durch den Palast
  2. und sprach über die Tragödien der Griechen, wobei die übrigen ihm zuhörten.
  3. Danach wurden griechische Verse vorgetragen, als Nero plötzlich zu einem Fenster ging.
  4. Er schaute auf die Stadt hinab und sagte: "Meine Augen werden durch diesen Anblick sehr beleidigt.
  5. Wie hässlich sind doch diese alten Gebäude, wie eng diese Gassen und Straßen!"
  6. Als einer der Begleiter vortrug: "Nach meinem Tod soll die Erde in Flammen aufgehen!",
  7. sagte Nero: "Im Gegenteil, noch zu meinen Lebzeiten!"
  8. Und tatsächlich brannte Rom wenige Tage später infolge einer Brandstiftung.
  9. Da die Flammen sechs Tage und sieben Nächte hindurch wüteten,
  10. erfasste der Brand fast alle Teile der Stadt
  11. und verwüstete die Häuser der Reichen wie die Wohnblöcke der Armen
  12. und es bestand die Gefahr, dass die ganze Stadt durch das Feuer zerstört würde.
  13. Nero aber schaute in allen Nächten von einem hohen Turm auf die untergehende Stadt
  14. und besang aus Freude über die Schönheit der Flammen den Untergang Troias.
  15. Aber das Volk hatte, da es von dieser Katastrophe so lange und so heftig betroffen war,
  16. alle Dinge, die zum Leben notwendig waren, nicht.
  17. Deshalb fürchtete Tigellinus, ein Vertrauter Neros, dass ein Aufruhr unter dem einfachen Volk ausbrechen könnte.
  18. Auf dessen Anraten öffnete Nero seine Gärten, errichtete, Notunterkünfte
  19. und senkte den Getreidepreis.
  20. Obwohl die Bürger ihre extreme Notlage laut beklagten,
  21. befahl er dennoch zur gleichen Zeit, für ihn ein goldenes Haus zu bauen.
  22. Daher verbreitete sich das Gerücht in der Stadt, dass das Feuer auf Neros Veranlassung gelegt worden sei.
  23. Deshalb versuchte der Herrscher den Verdacht von sich wegzubewegen
  24. und lenkte den Verdacht der Brandstiftung auf die Christen.
  25. Er verurteilte sie zum Tode und ließ sie in seinen Gärten grausam bestrafen.
196 lateinische Wörter

 

Lektion 36: Tyrannenglück

  1. Dionysius hatte schon als junger Mann danach verlangt, Herr über die Syrakusaner zu sein.
  2. Als er endlich an die Macht gekommen war, erwies er sich als ein derartiger Tyrann,
  3. dass die Bürger gegen seinen Willen nichts zu tun und nichts zu sagen wagten.
  4. Er dagegen glaubte, dass ihm selbst alles erlaubt sei.
  5. Darüber hinaus führte er ein Leben in Luxus und besaß Reichtum im überfluss:
  6. Er hatte goldene Liegen im Speiseraum, silberne Gefäße, schöne Gemälde und herrliche Statuen.
  7. Deshalb erregte sein Leben den Neid aller, viele nannten ihn glücklich.
  8. Obwohl seine Situation glänzend war, hatte Dionysius dennoch immer Sklaven als Leibwächter um sich.
  9. Denn er spürte selbst, wie glücklich er war.
  10. Als Damokles, einer seiner Gefolgsleute, im Gespräch seinen Reichtum, seine Macht,
  11. die Pracht des Palastes erwähnte und sein glückliches Leben lobte, sagte er:
  12. "Willst du, Damokles, an dir selbst dieses Leben erfahren
  13. und mein Schicksal prüfen?"
  14. Sofort sagte Damokles, dass er genau dies wünsche.
  15. Deshalb befahl Dionysius ihn auf einer goldenen Liege zu legen.
  16. Als der Tisch mit den erlesensten Speisen beladen errichtet worden war und wohlriechende [Duft] Stoffe entzündet worden waren,
  17. stellten sich überaus schöne Knaben an den Tisch und bedienten ihn sorgfältig.
  18. Damokles hielt sich für glücklich.
  19. Gerade streckte er eine Hand zum Tisch,
  20. als er über sich ein Schwert erblickte, das an einem Pferdehaar befestigt war.
  21. Dieses Schwert war auf Dionysius` Veranlassung so mit der Spitze nach unten aufgehängt worden,
  22. dass es über seinem Hals hing.
  23. Dies löste in Damokles einen so großen Schreck aus,
  24. dass er nichts anderes mehr machte, als mit seine Blicke auf das Schwert zu richten.
  25. Endlich bat er den Tyrannen weggehen zu dürfen und sagte:
  26. "Du hast mir ausreichend gezeigt, wie beschaffen dein Leben ist.
  27. Auf solche Weise will ich nicht glücklich sein."
200 lateinische Wörter

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